Restaurierung

Zustand zu Beginn

Als im Jahr 1982 der neu gegründete Verein “Windmühle Lechtingen e. V.” die Mühle pachtete, befand sie sich in einem desolaten Zustand: Regen und Frost hatten große Teile des Außenmauerwerks herausgebrochen; fast alle Gusseisenfenster waren zerbrochen; durch die undichte Betonabdeckung regnete es in das Gebäude hinein, was alle Fußböden und viele Tragbalken zerstört hatte; die gesamte Mühlentechnik hatte man herausgebrochen und verschrottet, ebenso die Galerie. Kurz gesagt: Die einstmals stolze Windmühle war eine Ruine.

Die Restaurierung

Entsprechend schwer gestaltete sich dann auch der Beginn der Restaurierungsarbeiten. Kaum jemand konnte sich bei diesem Zustand der Mühle vorstellen, dass das Unternehmen gelingen könnte. Erst als Mitglieder des Mühlenvereins in zweijähriger Eigenarbeit das gesamte Mauerwerk restauriert hatten, flossen öffentliche Mittel in das Projekt. Für die Tischlerarbeiten bewilligte das Arbeitsamt 1984 eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Das Museumsdorf Detmold empfahl uns den Restaurator für alte Techniken Peter Fritz aus Lüneburg für die Restaurierung der Mühlentechnik und die originalgetreue Wiederherstellung der drehbaren Mühlenkappe mit Flügeln und Windrose. Eine im Osnabrücker Land ansässige Tischlerei führte die Arbeiten aus. Auch für die Leute vom Mühlenverein gab es reichlich Arbeit, so wurden z. B. Aus einer Mühle bei Bremen Antriebswellen und -räder ausgebaut und in Lechtingen wieder eingebaut.

Pfingstmontag 1987, fünf Jahre nach Beginn der Restaurierung und einhundert Jahre nach ihrer Erbauung feierten wir die Wiederinbetriebnahme der originalgetreu restaurierten Windmühle. Aus diesem Fest entwickelte sich der mittlerweile zur Tradition gewordene Mühlentag, der heute in ganz Deutschland jedes Jahr am Pfingstmontag begangen wird.

... und dann?

Seit der Wiederinbetriebnahme der Windmühle Lechtingen sind mittlerweile 14 Jahre vergangen. Viele kleine und auch einige größere Reparaturen wurden zwischenzeitlich durchgeführt.

Als erste Maßnahme mussten wir den Mühlenstumpf 1990 verputzen lassen. Die Mühle wurde aus dem in der Gegend vorkommenden Kalkstein, dem sogenannten Bruchstein, gebaut. Dieser Stein ist jedoch sehr schichtig aufgebaut und auch sehr witterungsanfällig. Nach dem Restaurieren des Mauerwerks sah die Mühle so gut aus, dass wir es zunächst mit einem ordentlichen Verfugen bewenden liessen. Die Mühle wurde nicht verputzt. Im Laufe der nächsten Jahre zeigte sich aber, dass das Mauerwerk absolut keine Feuchtigkeit mehr abhielt. Da wir uns von chemischen Behandlungen keine Verbesserung versprachen, wurde zunächst die Wetterseite der Mühle mit einem Trassputz versehen. Diese Maßnahme erwies sich auch als richtig.

Zehn Jahre später, mussten wir dann die zweite Seite der Mühle verputzen lassen, da die Feuchtigkeit jetzt auch auf dieser Seite zu Schäden führte. Zeitgleich mit dieser Maßnahme wurde die Mühle insgesamt mit einem Kalkanstrich versehen.

Im Jahr 1997 haben wir neue Flügel für die Mühle angeschafft. Die ‘alten’ hölzernen Ruten wurden durch Stahlruten ersetzt. Hierfür gab es mehrere Gründe. Zum Einen wollten wir die Mühle noch öfter laufen lassen als bisher und haben deshalb ein anderes Vorheck anbringen lassen. Wir haben uns für ein ‘Von Bussel Heck’ entschieden, welches jedoch wiederum nicht problemlos an hölzerne Ruten anzubringen war. Zum Anderen erhofften wir uns von den neuen Ruten auch eine längere Lebensdauer.

Leider hat dieser Wunsch nach einer längeren Lebensdauer bereits im letzten Jahr einen kleinen Dämpfer bekommen. Im Rahmen einer Routinekontrolle entdeckten wir Haarrisse in den Stahlruten, die zu einem sofortigen Stillstand der Mühle führten und zu Reparaturaufwendungen in Höhe von ca. 10.000,-- DM. Die Haarrisse waren aufgrund schlechter Verschweißung der Stahlruten entstanden. Glücklicherweise konnten diese Fehler von uns rechtzeitig, vor dem Entstehen eines größeren Schadens entdeckt werden und weiterhin wurden uns die Kosten durch den Hersteller der Flügelruten in voller Höhe erstattet.

Neben diesen großen Reparaturen kann man die vielen kleinen Reparaturen und Unterhaltungsarbeiten, die an einer Mühle anfallen, gar nicht alle aufzählen. Aber erst diese Arbeiten erhalten die Mühle ja immer in einem funktionsfähigen Zustand. Die Mitglieder des Mühlenvereins machen diese Arbeiten eigentlich gerne, kann man sich doch hinterher die Mühle wieder in ihrer vollen Pracht ansehen, wie sie langsam im Wind dreht.

Im letzten Jahr hat unsere Mühle einen Fuchs auf dem Fangstock (Bremsstock) erhalten. Nach altem Glauben soll der Fuchs dafür sorgen, dass die Mäuse nicht überhand nehmen in der Mühle bzw. er soll das Feuer aus der Mühle heraustragen. Hoffen wir, daß unser Fuchs das schafft